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27. März 2017

Living is easy.


Bei dem schönen Wetter gibt es nix zu Bloggen. Das Laptop bleibt aus, die Ratgeberbücher werden in die Ecke geschmissen, die philosophischen Stimmen schweigen sich mal aus, stattdessen wird das Sommer-Wohnzimmer von früh bis spät genutzt, mit der Sonnenbrille auf der Nase und einem Krimi in der Hand. Im Hintergrund spielt der Soundtrack des Frühlings: Die kläffenden Nachbarshunde, die röhrenden Gartenhöllenmaschinen, irgendwo dudelt ein Radio und die Vögelchen geben passend dazu ein Zwitscherkonzert. Es duftet nach Gras und Sonnenmilch.

Was hab ich den Frühling vermißt! Da rinnt doch glatt ein Tränchen aus dem Augenwinkel. Nicht vor Rührung, sondern auch der Heuschnupfen hat sich saisonal eingeschlichen. Sei's drum.

Es ist  H-E-R-R-L-I-C-H.

Guten Wochenstart!

25. März 2017

Über die Liebe.


"Nur Du allein weißt, wie Du geliebt werden mußt und möchtest.
Nur Du allein kannst Dich so lieben, wie Du es möchtest und brauchst.

Wenn Du Dir selbst nicht geben kannst oder willst, was Du brauchst,
wie soll dann JEMAND ANDERES,
jemand, der nicht annähernd so motiviert ist wie Du,
jemand der eigentlich danach strebt, es für sich selbst zu bekommen
(möglicherweise von Dir!), es Dir beschaffen?"
-Cheri Huber

Es ist traurig aber wahr. Hofft nicht jeder, dass der andere die Leere stopft? Rette mich! Mach mein Leben schöner und besser! Mach mich glücklich (ich schaff das nicht alleine...). Bitte sei Du endlich die Erfüllung meiner Wünsche. Heile meine Wunden. Mach mich ganz.

Blöd, dass auf die Dauer die Rechnung nicht aufgeht. Jedenfalls nicht auf dieser Basis. Wie? Ich soll DIR auch DEINE Bedürfnisse erfüllen? Wie? Du willst nicht das, was ich will? Und dann bleibt dieses Loch doch wieder ungestopft. Wieso machst Du mich nicht glücklich? Es ist Deine Schuld, ich muß jemand anderen finden, und so weiter und so fort.

Die Suche im Außen ist wie ein Pflaster, das man auf die Leere und die Wunden klebt, das aber mit der Zeit abknibbelt und keine Heilung bringt. Blödes Pflaster, weg damit. Her mit dem nächsten Pflaster. Aber die Wunde will von Innen geheilt werden. Ich lege mein Glück nicht mehr in fremde, sondern in meine eigenen Hände.

In Japan gibt es die Technik des "Kitsugi" - eine traditionelle Reparaturmethode, mit der Risse im Keramik mit Gold gekittet werden (und den Makel damit sogar hervorhebt und kostbar macht). "Die Einfachheit und die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit stehen im Zentrum dieser Anschauung." (Quelle: Wikipedia).

Das wäre doch eine zauberhafte Art, mit den eigenen "Brüchen" umzugehen: Wir füllen sie selbst mit Gold...



(Der Typ ist süß... *ggg*)

(Danke an die Sofapiratin Alex für die Inspiration!)

24. März 2017

Frei und unperfekt.


"Denke daran - das, was ist, ist alles, was ist.
Die andere Wirklichkeit, in der alles genauso ist,
wie Du denkst, dass es sein sollte,
gibt es nur in Deinem Kopf.
Sie existiert in erster Linie,
um Dich zu quälen."
-Cheri Huber

Als ich gestern am späten Abend noch spontan meine Bücherkisten durchwühlt habe, in der festen Absicht, dass da wieder mal was weg kann, habe ich unerwartet das Buch von Cheri Huber "Nichts an Dir ist verkehrt" gefunden. Ich dachte, das hätte ich längst zu Momox geschickt. Das Buch hab ich schon sehr lange (und erschütternderweise ist das Thema immer noch aktuell), und damals hatte ich offenbar nicht den rechten Zugang. Jetzt habe ich die ersten Seiten gelesen und finde es großartig!

Adieu Selbstkritik - Willkommen Selbstliebe. Darum geht es. Bye-bye Perfektionismus, Hallo Realität. Auf dem Boden der Tatsachen läuft es sich ganz gut, wenn man den vernichtenden Stimmen in seinem Kopf nicht mehr glaubt, die meinen, einen anraunzen zu dürfen: "Woah, wie siehst DU denn heute aus? Ist das schon wieder ein Pickel auf Deiner Nase? Was hast Du da überhaupt an? Du solltest mehr Sport machen, bist ganz schön aus dem Leim gegangen. Häng nicht so faul rum. Du wirst echt nie die Kurve kriegen. Streng Dich gefälligst mehr an!"

Man braucht kein Zen-Meister sein, um zu erkennen, dass solche Selbstgespräche völlig frei von Liebe und Mitgefühl sind, nein, sie sind purer Selbsthaß. Entsprungen ist diese Negativität der Sozialisierungsphase als Kind - als die Bedürfnisse des kleinen Wesens nicht gesehen oder ernst genommen wurden. "Du heulst schon wieder? Geh auf Dein Zimmer!". Lerneffekt: Oh, eigene Bedürfnisse sind unvorteilhaft. Ich lerne besser, brav zu funktionieren und passe mich an. Der Beginn der großen Selbstverleugnung.

Ich finde es sehr schwer, dies wieder und wieder zu erkennen. Die Stimmen begleiten einen doch schon so lange. Und gerade jetzt - als Freifrau - lerne ich erst, es mir zu erlauben, faul und unproduktiv zu sein. Was ich ja gar nicht bin (ich lese, lerne, schreibe und wohne schön *g*). Ich lasse mich auch durch Therapie nicht mehr in die Rolle des Roboters schubsen, der gefälligst seine gesellschaftlichen Pflichten (whatever!) zu erfüllen hat - ganz egal, wie es MIR dabei geht. Nö. Da hocke ich lieber auf meinem Satsang-Sofa (oder vorzugsweise auf dem Balkon bei schönem Wetter) und starre Löcher in die Luft. Das tut keinem weh - und mir auch nicht.

Nichts ist verkehrt. Nur der innere Kritiker ist überambitioniert und sollte sich dringend zur Ruhe setzen. Er wird nicht mehr gebraucht...

Und falle nicht auf die Scheinwelten rein. Auf die schöne Instagram-Welt, die nur dafür existiert, Wundervolles zu zeigen (ob inszeniert oder nicht sei mal dahin gestellt). Das ist auch toll, solange Du nicht mit dem Vergleichen anfängst ("Oooooh, warum ist MEIN Leben nicht so toll?" - Du guckst ja auch nicht "Ice Age" und wunderst Dich dann, warum Du kein sprechendes Mammut zuhause hast.).

Du siehst in geballter Ladung ein Sammelsurium von Fragmenten: Das perfekte Frühstück, die tolle Urlaubslocation, Traumhaare, super Make-up, gestählte Körper, stylishe Klamotten, phantastische Wohnungen, die süßesten Hunde und die schnuckeligsten Babies. Ausgeblendet das Chaos in der Küche, Montezumas Rache, Hair-Extensions, die abgedeckten Augenringe, schweißtreibendes Training, das leere Konto, die Staubmäuse unterm Bett, das Gekläffe und die vollen Windeln. Denn DAS gehört zur Realität.

Auch die Menschen, die Du insgeheim bewunderst, haben ihre Leichen im Keller. Eine Bekannte von mir, die perfekt organisiert, lösungsorientiert und absolut zupackend ist, hat beispielsweise eine geradezu panische Angst vor Katzen. Sie kann mit einer Katze nicht im gleichen Raum sein. Das würde man nie von ihr vermuten.

Es gibt keine Perfektion. Es gibt nur die Realität. Die ist, wie sie ist. Perfektion läßt Dich einen Kampf kämpfen, den Du nie gewinnen kannst. Du kämpfst - und verlierst. Du kämpfst noch mehr - und verlierst. Du kannst diesen Kampf nur verlieren.

"If the answers we are seeking were in the places we have been looking,
we would have already found them.
The great majority of us learn as children to distrust our ability
to know what is so and to look outside ourselves for answers."
- Cheri Huber

23. März 2017

Blick zurück.


Früher.... Früher war alles besser. Als ich noch jung und meine Beine dünn waren. Als ich noch Träume hatte, wie mein Leben zu sein hätte. Bevor mir dies und das passierte - da war doch alles besser. Oder?

Mal ganz davon abgesehen, dass man "früher" niemals wiederholen kann (NIEMALS!) ist die Retrospektive meist trügerisch. Der Blick zurück verklärt sich. Und das Hier und Jetzt mit all seinen Realitäten ist wie es ist. Jünger werden ist nicht. Dünnere Beine - wenn überhaupt - nur mit größten Mühen und Entbehrungen machbar (aber schau nicht, wie die Haut dann aussieht). Die Unbeschwertheit der Jugend- und Kindertage (wohl dem, der sie hatte) ist einem Reifeprozeß aus mehr oder minder erfreulichen Erfahrungen gewichen. Und die Persönlichkeit? Die ist irgendwie einfach so geblieben. Bei mir jedenfalls.

Wenn ich in alten Aufzeichnungen oder Tagebüchern blättere, kann ich nur den Kopf über mich selber schütteln, dass ich teilweise noch nach so vielen Jahren an den selben Fronten kämpfe, in den selben Baugruben wühle. Die totale Energieverschwendung. Du kämpfst - und verlierst. Du gräbst - und findest nix oder nur den üblichen alten Schmodder. Warum also keinen Liegestuhl aufstellen, die Haare im Wind fliegen lassen, die dicken Beinchen übereinander schlagen und laut und vernehmlich: "Ach, Scheiß drauf!" verkünden. Mit der Depression und der Obsession eine kleine private Party feiern, während die Angst ekstatisch zu "I will survive" tanzt.

Dann gibt es da noch diese Sachen, die sich irgendwann einfach von selbst erledigen. Womöglich gerade dadurch, weil ich einfach resigniert und es als gegeben hingenommen habe. Dann habe ich der Sache keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt, sie einfach sein lassen - und eines Tages gemerkt, dass sie weg ist. Was der Liegestuhlvariante sehr nahe kommt.

Oder Du packst das Bündel mit all dem Mist zusammen, verschnürst es, und übergibst es der höheren Macht (woran auch immer Du glaubst: Buddha, das Universum, die große Wutz) und sagst: "Hier nimm. Ich komme damit einfach nicht klar. Ich laboriere schon gefühlte tausend Jahre damit rum. Kümmer Du Dich doch bitte - ich Idiot krieg das nämlich nicht hin. Du hast da sicher die besseren Kompetenzen." Dann gibst Du es weg und schaust, was das Leben oder die große Wutz damit machen. Streckst Dich auf dem Liegestuhl aus und läßt das Leben geschehen. Einen Versuch wär's ja wert.

(Die große Wutz wird allerdings nicht Deine Schränke aufräumen oder Deine Schulden bezahlen. Sie ist ja nicht Marie Kondo oder Peter Zwegat. Aber sie wird Dir durch Dein Loslassen die Scheuklappen nehmen und den Blick für mögliche Lösungen und Impulse frei machen. Oder vielleicht "brauchst" Du das Problem auch einfach gar nicht mehr...)

22. März 2017

Berufswunsch: Guru.


Also ich könnte eigentlich auch einfach Guru werden. Ich erzähle allen, dass ich auf dem Sofa in einem stillen Moment (nämlich der Werbepause bei Shopping Queen) die Erleuchtung gefunden habe. Und dann halte ich Sofa-Satsangs ab. Ich hülle mich in bunte Gewänder (die ich einfach wahllos aus meinen 100 Schals zusammen nähe), male mir mit meiner zahlreich vorhandenen Kosmetik ein paar mysteriöse Symbole aufs Gesicht, lese ein paar Sprüche aus dem Küchenkalender vor, falle zwischendurch ins erleuchtete Koma (was ich früher "Nickerchen" genannt hätte) und sage allen, dass es NICHTS zu tun gäbe. Alles ist gut, wie es ist - und dass ihr einfach mit dem Denken aufhören sollt. Und als Bonus - irgendwie muß ich mich ja von den anderen Gurus unterscheiden - gibt es Schokolade für ALLE.

Meine Jünger (vorzugsweise attraktiv und männlich) schauen mich bewundernd mit glänzenden Augen an, massieren mir die Füße und hauchen mir *ich-liebe-dich* entgegen.

DAS nenne ich doch mal eine Aufgabe! Könnte ich mich dran gewöhnen.

Naja, ich hab ja neulich das Buch von Samarpan so angepriesen. Und zum Buch stehe ich auch immer noch, da sind spannende und interessante Ansätze drinne. Aber nachdem ich mir so ein paar seiner Satsangs angeschaut habe, stelle ich diesen sektengleichen Hokuspokus doch sehr in Frage.

Die Lehren an sich sind ja gar nicht mal so übel. Und letztlich meinen diese spirituellen Gestalten alle ja das gleiche: Vergiß Dein Ego, hör auf Dich vom Verstand tyrannisieren zu lassen und bleibe im JETZT. So weit, so gut. Aber dieses Anbetungsgedöns finde ich dann doch abstoßend. Es kommt mir stark so vor, als ob die Teilnehmer emotional ziemlich labil wären und vom großen Meister die Erlösung oder Absolution erhoffen. Wer traurig, verwirrt oder hoffnungslos ist, ist natürlich besonders empfänglich für solche Botschaften. Also: trau-schau-wem!

Wer mag trotzdem zu meinem ersten Sofa-Satsang kommen?
*mit-der-Schoki-wink* *voll-der-liebe-Guru-bin*